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Nachruf Dr. med. Hans Rudolph


(* 29. August 1936  -  Ϯ 11. April 2017)

Unser Ehrenmitglied, ehemaliger Präsident und langjähriger Generalsekretär Hans Rudolph ist am 11. April 2017 gestorben. Er war über viele Jahre der Motor unserer Gesellschaft und hat sich dabei außerordentliche Verdienste erworben.

Am 29. August 1936 in Bülzig geboren wuchs er in der Nähe der Lutherstadt Wittenberg auf. Kurz nach Beginn eines Zahnmedizinstudiums in Halle gelang ihm 1958 die Flucht nach Berlin-West und er studierte dann Humanmedizin an der Freien Universität Berlin, promovierte 1966 und machte seine Facharztausbildung unter Fritz Linder an der chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. 1973 ging er mit Jungbluth nach Hamburg und wurde dann 1975 Chefarzt der neu gegründeten Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs-, Hand-, Gefäß- und Plastische Chirurgie des Diakoniekrankenhauses in Rotenburg/Wümme, die er über 26 Jahre bis 2001 erfolgreich leitete, immer mit dem sicheren Gespür für erfolgversprechende Neuentwicklungen wie die arthroskopischen Chirurgie und die Endoprothetik seit 1977, Bandscheibenchirurgie seit 1984 und Grundlagenforschung auf dem Gebiet Laserchirurgie seit 1986. Bereits 1977 wurde er in den Kreis der AO-Kliniken aufgenommen.

Seine Klinik bot ein breites Behandlungsspektrum, wie es das heute aus vielerlei Gründen nicht mehr gibt – nicht mehr geben kann. Er legte großen Wert auf sehr enge Behandlungsrichtlinien, Neuerungen waren nur schwierig einzuführen, wenn deren Wert noch nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen war. War er jedoch von etwas überzeugt schritt er mutig voran, beispielsweise mit eigenen Entwicklungen auf dem Gebiet der Laserchirurgie.

In Stadt und Landkreis Rotenburg hat Hans Rudolph ein erfolgreiches Notarztrettungssystem nach dem Heidelberger Rendezvous-System aufgebaut und modern ausgestattet, das er über viele Jahre leitete. Mit Ausbreitung der AIDS Problematik und „da man die Hygiene nicht allein den Hygienikern überlassen könne“ gründete 1986 er die „Arbeitsgemeinschaft für Hygiene in Klinik und Praxis“, die inzwischen zu einem offiziellen Arbeitskreis „Krankenhaus- und Praxishygiene“ der AWMF geworden ist. Auch wissenschaftlich war Hans Rudolph mit über 400 Publikationen, Buchbeiträgen und wissenschaftlichen Lehrfilmen außerordentlich engagiert. Überregional erfolgreich war sein „Rotenburger Symposium für Klinik und Praxis“, das seit 1976 jährlich in Rotenburg stattfindet

Besonders wichtig war ihm die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen chirurgischen Fächer. 1979 wurde er aktives Mitglied unserer interdisziplinären Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie, von 1982 - 1986 im nichtständigen Beirat des Präsidiums. 1987 wurde er Schriftführer und 1987 übernahm er das neu geschaffene Amt des Generalsekretärs bis zum Jahre 2003. 1996 war er Präsident der 34. Jahrestagung der Gesellschaft. Mit Begründung mehrerer Sektionen gab er der sich entwickelnden Laserchirurgie, der Handchirurgie und der wehrmedizinischen Wiederherstellungschirurgie einen hervorgehobenen Platz in der Gesellschaft. Wahrung der Interdisziplinarität und gleiche Wertschätzung aller 17 chirurgischen Disziplinen der Gesellschaft waren sein Hauptziel bei der Organisation der Jahrestagungen – das war nicht immer leicht. Hans Rudolph ist Ehrenmitglied unserer Gesellschaft, 2004 wurde ihm die Karl-Schuchardt Medaille der DGPW verliehen und 2013 erhielt er für seine Verdienst die Karl-Schuchardt Büste

„Nihil Nocere“, –Schaden vom Patienten fernhalten, das war sein Credo. Daher auch sein Engagement gegen kritiklose Ausbreitung von Schönheitsoperationen, sein jahrelanger Kampf gegen die unkritische Verwendung alloplastischer Brustimplantate bei rein kosmetischer Indikation und seine Warnungen vor Hygienemängeln und schadstoffinduzierten Erkrankungen bei Piercing und Tätowierung.

Für seine Bemühungen um die Medizin wurden Hans Rudolph viele Ehrungen zu Teil. Stellvertretend seien hier genannt die Ernst-von-Bergmann Plakette der Bundesärztekammer für Verdienste um die ärztliche Fortbildung (1989), das Bundesverdienstkreuz am Bande (1995), die Ehrenplakette der Landesärztekammer Niedersachsen (1996), und die Medaille des Inspekteurs des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (2000) sowie die Carl Thiem Gedenkmedaille der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (2002).

 

Rotenburg/W.  April 2017

 

Dr. med. Volkhardt Studtmann